Locationscouting ÖDLAND III

Der Reisebericht in die salzige Unterwelt Norddeutschlands enthält Spoiler. Leserinnen und Lesern, die ÖDLAND III noch nicht beendet haben, wird deshalb geraten zunächst einen Bogen um diesen Blogeintrag zu machen.

Wir erinnern uns: In ÖDLAND II will Mega die Autobahn überqueren, doch sämtliche Brücken wurden zerstört. Durch die Flut oder etwas anderes. Sie folgt dem Großen Fluss nach Norden auf der ersten Teerstraße hinter dem Deich, um Nathans Verstecke zu finden.

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und dunkler. Mitten in der Einöde stößt sie auf seltsame Gebäude, umgeben von der Asche verbrannter Wälder.

Hauptturm

Die Fabrik am Fluss – Der Hauptturm


Während der Konzeption der Endzeitgeschichte wurde mir klar, dass Mega auf einen Ort stoßen soll, dessen Gefährlichkeit die Menschen der Nachwelt vergessen haben.

Denn bei einem Systemkollaps würde jeder Komfort über Nacht verschwinden. Dinge wie Essen, Strom und Treibstoff wären von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar. Auf der anderen Seite gäbe es aber Relikte, die den Menschen erhalten bleiben würden. Altlasten, die man in massiven Stahlbehältern und tiefen Stollen verstecken müsste. Würden die Menschen der Nachwelt Generationen später noch wissen, was dort unten versteckt worden ist? Würden sie wissen, dass sie sich in Gefahr begeben, wenn sie sich diesem Ort nähern?

Maserung Stollenwand

„Maserung“ der Wände des Salzstollens


Der Dokumentarfilm INTO ETERNITY macht sich Gedanken zu der Frage: Wie muss ein Endlager gekennzeichnet werden, damit Menschen auch in tausend Jahren noch herausfinden können, dass es gefährlich ist. Denn niemand kann heute sagen, ob Menschen in tausend Jahren noch die Schriftstücke lesen können, die wir heute verfassen oder ob die Daten, in der Form, wie wir sie heute produzieren, überhaupt noch lesbar sein werden.

Von Sprachwissenschaftlern, Designern und Architekten gibt es die absurdesten Vorschläge zu dem Thema: Von kryptischen Icons, die schon heute niemand verstehen würde, über die Gründung eines Geheimordens dessen Aufgabe es wäre, das Wissen um die Gefahren der Radioaktivität von Generation zu Generation weiterzugeben, bis hin zu Landschaftskunst: Gewaltige, ringförmige Wälle bedeckt mit rostfreien Stahlstacheln. Eine Mischung aus Panzersperre und toter Evolution. Doch könnten die Maßnahmen die Menschen der Nachwelt davon abhalten die geheimnisumwobenen „Grabkammern“ der Altvorderen zu öffnen und den „Fluch der Pharaonen“ zu entfesseln? Würden die Warnungen die Neugier zukünftiger Menschen nicht erst recht anstacheln? Tatsache ist, dass Geheimnisse Menschen schon immer angezogen haben. Wahrscheinlich ist, dass sie dieselben Fehler machen würden, die wir gemacht haben. Sie würden die Büchse der Pandora öffnen.

Ein Merkmal haben alle Überlegungen zur Kennzeichnung von Endlagern gemeinsam: Sie wurden bisher nicht umgesetzt und im Chaos eines Zusammenbruchs würde niemand mehr an sie denken.

Um mich besser in die Situation der Bewohner des Salzstocks hineindenken zu können, entschloss ich mich zu einer Besichtigung des „Erkundungsbergwerks“.

Offizielles Erinnerungsfoto aus dem „Freizeitpark“ Gorleben:

Gruppenbild Salzstock

Ganz unten: „Undercover-Recherche“ im Erkundungsbergwerk Gorleben


Ich falle etwas auf, da ich zu spät kam und der einzige war, der noch am Helm rumfummelte, während der Rest der Gruppe schon über Druckausgleich und Bewetterung fachsimpelte.

Zur vorschriftsmäßigen Sicherheitausstattung jedes Besuchers gehören: Stahlkappenstiefel (besser zwei Nummern zu groß, als eine zu klein), schicker, einteiliger Overall in signalrot, (damit man im Stollenlabyrinth nicht verloren geht), Helm mit Kopflampe (ganz wichtig), ein praktisches Sauerstoffgerät im Handtaschenformat mit Atemluft für 20 min (allein der Weg im Fahrstuhl auf die 1000m Sohle hat 20 min gedauert) und ein Dosimeter. Kein Witz, ein Dosimeter, das die Strahlenbelastung in Millisievert anzeigt, der man während des Aufenthalts ausgesetzt ist. Und das, obwohl (offiziell zumindest) noch gar kein radioaktiver Abfall eingelagert wurde. Ich vermute, dass die Maßnahme eher der Beruhigung unserer Nerven dienen sollte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Mein Dosimeter hat hinterher nichts angezeigt.

Weg zum Fahrstuhl

Gang zum Fahrstuhl


Der Weg zum Fahrstuhl erinnerte mich an Jodie Fosters Gang zur japanischen „Transportmaschine“ in ‚Contact‘. Ich weiß auch nicht warum.

Fahrzeug

Bohrkopffahrzeug

Im Salzstock herrschte hektische Betriebsamkeit und erstaunlich viel Verkehr. Es gab sogar Ampeln, an denen man als Fußgänger besser stehen blieb, wenn man nicht von Bohrkopffahrzeugen, Baggern oder Jeeps überrollt werden wollte.

Karte Salzstock

Karte des Salzstocks


Ich habe in ÖDLAND III nur die rote Ebene berücksichtigt, weil alles anderes zu kompliziert geworden wäre.

Die Werkstatt konnte praktischerweise an derselben Stelle bleiben, an der sie schon immer gewesen war, das Gewächshaus wurde im ehemaligen Lager errichtet, die Arbeitsräume wurden zur „Strandbar“ umfunktioniert, Dr. Maximilians Separee wurde im ehemaligen Tanklager (rechter Bildrand) erbaut, der allgemeine Wohnstollen wurde im Grubenwehrraum errichtet, der geschützte Bereich in der Bohrabteilung, im nach links oben führenden Stollen haben die Bewohner Krankenstation und Quarantäne untergebracht, aus der sogenannten „Füllortstrecke“ wurde der Versorgungsstollen mit Essensausgabe und Schwarzem Brett. Die gerade Verbindungsstrecke zwischen Bohrabteilung und Dr. Maximilians Refugium nannten die Bewohnern der dritten Generation „Hauptstollen“.

Messung des Salzflusses

Messung des „Salzflusses“


Obwohl es sich um Gestein handelt, ist der gesamte Untergrund in „Bewegung“. An Messpunkten auf „Stoßkanten“, lässt sich die „Strömungsgeschwindigkeit“ des Salzes ablesen. Sie ist nicht sehr stark, nur 0,1 bis 0,5 Millimeter im Jahr, doch im Laufe der Jahre summieren sich die Werte und nicht alle Stellen sind gleich schnell. Tektonische Bewegungen sind das Hauptproblem eines Endlagers im Salz.  Zugänge könnten in tausend Jahren z.B. einfach verschwunden sein.

Salzdunst

Salzdunst


Das rieselnde Salz bildete Dunstschleier, hindert aber nicht am Atmen. Tatsächlich wirkt es  therapeutisch und „reinigt“ die Lunge wie ein Solebad. Man darf nur die Flüssigkeitszufuhr nicht vergessen. Die geringe Luftfeuchtigkeit trocknet einen langsam aber sicher aus.

Salzstaub Mondlandschaft

Salzstaub auf dem Stollenboden


Feiner Salzstaub macht die Stollenböden zur Mondoberfläche.

Tafel Wettermessung

Wettermeßstelle 2.4



Atemluft wird von Wetterrohren in konstanter Geschwindigkeit durch die Stollen gedrückt.

Stollen+Wetter

Stollen und Wetterrohr

Werkstatt

Werkstatt + Versteck des INDU


In den Seitengängen der Werkstatt versteckt Mega den INDU.

Deich und Schwemmflächen II

Deich und Schwemmflächen


Wenn sie mitten im Februar mit den Söldnern wieder ins ÖDLAND aufbricht, herrscht tiefer Winter. Gefrorene Schwemmflächen und schneebedeckte Deiche säumen den Weg der Reisegruppe.

Überschwemmte Brücke im Eis

Überschwemmte Brücke am Ufer


Ewiger Winter. Endlose Stille.

noch 3 Tage bis zur Veröffentlichung: ‚ÖDLAND Drittes Buch Die Fabrik am Fluss‚.

15-08-13 01 Ewiger Winter

Making-of ÖDLAND Buchtrailer

Im Mai 2013, ein Jahr nach dem Fotoshooting für das Cover des ersten Buches, trafen sich Mega-Darstellerin Lenaig Hemonet und Autor Christoph Zachariae erneut auf dem Gelände der verfallenen Berliner Brauerei, um in der passenden Endzeitstimmung die Aufnahmen für den ÖDLAND-Buchtrailer zu drehen:

Lenaig präpariert ihre Armbänder

Lenaig präpariert ihre Armbänder

Lenaig Hemonet aka Verwirrtes Kind

Lenaig Hemonet aka Verwirrtes Kind


Gedreht wurde an drei Tagen: Am ersten Tag entstanden in verfallenen Büros und dunklen Lagerhallen Detailaufnahmen von Lenaigs Händen. Am zweiten Tag drehten wir die Bilder mit der Sterntätowierung in der Nähe der Autobahn und im Moor. Am dritten Tag holte ich in der Brauerei Kamerafahren und Gänge nach, die ohne Lenaig gedreht werden konnten.

Die Detailaufnahmen der Hände wecken Neugier. Man möchte wissen, mit wem man es zu tun hat und wie die Person aussieht, die dort im Müll wühlt. Außerdem erzeugen die Ausschnitte ein Gefühl von Heimlichkeit und Vorsicht. Mega nähert sich den Dingen der „Alten Welt“, die sie in den meisten Fällen nur aus Erzählungen kennt, mit Respekt und einer Art primitiver Ehrfurcht.

Die Puppe

Plastikdübel für den INDU

Sechser im Endzeitlotto

Festmahl auf dem Benzinkocher


Gedreht wurde mit Canon 5D Mark II, einer stromsparenden Akku-LED-Fläche und 1/2 CTB. Der Filmstaub stammt von Feuerfest-sfx. Die Dosen wurden mit einer Stahlbürste aufgeraut und für die notwendige Rostpatina eine Woche in hochprozentige Essigsäure eingelegt. Puppe, Spielzeug und Kocher wurden im Requisitenfundus Adlershof ausgeliehen.

Die Aufnahmen an der Leitplanke und unter der Autobahnbrücke verstärken den Eindruck der Notwendigkeit sich im ÖDLAND zu verstecken und die Umgebung ausführlich zu beobachten, bevor man sich aus der Deckung wagt.

Mega späht über die Leitplanke

Erkundung eines Verstecks unter der Brücke

Gedreht wurde in Mecklenburg-Vorpommern an der A19 mit available light.

Erst mit der letzten Einstellung des Trailers wird das Geheimnis um Megas Aussehen und den Stern unter ihrem rechten Auge gelüftet.

Der Stern

Wird sie durchhalten?


Auch für die Postproduktion konnte ich alte Verbündete gewinnen:

Sprecherin Nana Spier habe ich während meiner Arbeit an der Thriller-Reihe DARKSIDE PARK kennengelernt. In der Episode ‚Der Gesang der Ratten‘ lieh sie der Hauptfigur Sarah Freeman ihre Stimme und erhielt für ihre Leistung den Preis als ‚Beste Sprecherin (Lesung)‘ auf dem Ohrkanus 2010. Nana erklärte sich sofort dazu bereit Megas Voice-Over zu übernehmen, was mich sehr gefreut hat.

Mit Max Würden war ein alter Weggefährte auch für die Musik verantwortlich. Max komponierte bereits den Score für meine Kurzfilme ‚Die Überlebende‚ und ‚Der Auftrag‚. 2008 konnten wir gemeinsam den 1. Preis des ‚Eins Live Hörspielwettbewerbs‘ mit LUCID DREAMS gewinnen.

Den Schnitt des Trailers übernahm Moritz Groß, der Cutter meines Vertrauens und meiner Imagefilme.

Und hier das Ergebnis: Der ÖDLAND-Buchtrailer.

Radioactive


Der Dystopieknaller von Imagine Dragons. Man könnte meinen, der Song wäre für die Verfilmung von Maya Shepherds Dystopie-Reihe Radioactive geschrieben worden. In der Tat hört man das Lied in diversen Dystopien, wie z.B. in Seelen und zuletzt in The 100.

Das Musikvideo ansich ist eher peinlich. Lou Diamond Phillips brauchte offensichtlich dringend Geld. Die Stofftier-Nummer ist so klebrig süß, dass einem schlecht wird, aber das kratzt den Song zum Glück wenig. Ihn kann nichts entstellen, auch kein beschissenes Video.

Doch welchen emotionalen Effekt hätte es haben können, wenn die Macher nicht zwanghaft auf Kontrapunkt gesetzt hätten? Wie geil wäre ein echtes Endzeit-Musikvideo gewesen?

An der Geschichte hätte man kaum etwas ändern müssen: Unscheinbare Kämpferin tritt in der Area an, um ihre Freunde aus dem Kerker zu befreien. Niemand glaubt an sie, niemand setzt auf sie, doch mit ihrer Zähigkeit und einer gewagten List kann sie den unbesiegbaren Widersacher in die Knie zwingen. David gegen Goliath. Diese Variante hätte mir besser gefallen.

Gesehen: Take Shelter

Take Shelter 

Buch & Regie: Jeff Nichols, Cast: Michael Shannon, Jessica Castain, Shea Whigham


Ein ruhiger Film, der in seiner Langsamkeit eine unwiderstehliche Sogwirkung entfaltet. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm ist in jeder Einstellung spürbar. Aufziehendes Unheil scheint sich genau wie das Regenwasser langsam zu rostbraunem Brei zu verdicken und die Bewegungen der Haupfigur zu behindern, bis die Schreckensvision des tödlichen Sturms sie vollkommen gefangen hält. Es geht nur noch nach unten, in den Sturmschutzbunker, der letzten Zuflucht in einer auf den Fugen geratenen Welt und selbst dort kann die gestrandete Familie nur mit Gasmasken überleben.

Curtis (Michael Shannon), dem schweigsamen Antihelden möchte man gern glauben, dass er seine stumme Tochter Hannah (Tova Steward) liebt und sich nach der Nähe seiner zerbrechlichen Frau (Jessica Castain) sehnt, doch er bewegt sich zögernd durch sein Haus, scheint es jedes Mal neu erkunden zu müssen, wie ein Fremdkörper, als wäre er gerade aus einem Alptraum erwacht und könnte nicht mehr in der Realität zurückfinden.

Und tatsächlich sind es Curtis Alptäume, die das Unheil gebähren, es real werden lassen und ihn seiner Familie entfremden. Angefangen mit seinem Hund, der ihn im Traum angreift, den er daraufhin aus dem Haus verbannt und schließlich sogar verschenkt, bis hin zu seiner Frau, die im Traum zu einem fremden Wesen wird, zu einer seltsamen Kreatur, die er nicht mehr versteht, vor der er fortan Angst hat.

Curtis versucht sich helfen zu lassen, doch den Spezialisten kann er sich nicht leisten und der  staatliche Notdienst wechselt ständig und interessiert sich nicht für seine Probleme. Die letzte Hoffnung zerplatzt, als Curtis seinen Job verliert und er sich mit seinem Freund und Arbeitskollegen Dewart (Shea Whigham) überwirft.

Keine Hoffnung, kein Entkommen. Aus Liebe folgt Ehefrau Samatha ihrem Mann in den Wahnsinn, klettert in den Sturmschutzbunker hinab, folgt beflissen seinen Anweisungen und setzt sich und ihrer stummen Tochter die Gasmasken auf.

Take Shelter ist gleichsam intellektueller Überbau und Kommentar zur Endzeit- und Dystopiewelle. Wurde ihr bereits vor Jahren das Ende prophezeit, erfreut sie sich noch immer wachsender Beliebtheit. Das hat vorallem damit zu tun, dass die uramerikanische Angst vor dem Wegfall der Zuversicht, vor dem Verschwinden des Pioniergeistes, eine sehr reale, vielschichtige Bedrohung spiegelt, die sich, wie ein unlöschbarer Schwelbrand schleichend zur Oberfläche durchfrisst.

Auf das, was jahrzehntelang gut war und Orientierung gab, Kredite aufnehmen, unbeschwert über die Verhältnisse leben, ist plötzlich kein Verlass mehr. Doch die Erkenntnis dringt nur langsam in die Köpfe ein. Die unangenehme Wahrheit, dass man sich möglichweise in Zukunft wird einschränken müssen, dass das Credo vom endlosen Wachstum eine Lüge sein könnte, ist so fundamental und so verstörend vorallem für Amerikaner, die sich zu 100% auf diese Wahrheit verlassen haben, dass es noch lange dauern wird, bis sie den Menschen keine Angst mehr machen wird.

Take Shelter ist ein hervorragender Film. Nicht jedermanns Sache, da es keine Action gibt und man sich auf den Film einlassen muss. Ich schrecke nur deshalb davor zurück ihn ein Meisterwerk zu nennen, weil ich hoffe, dass wir von Jeff Nichols noch viele gute Filme sehen werden.

 

Spaceship concept art by Xiaohui Hu

 

 

THE 100

Am 22.07.2015 (heute Abend!) startet PRO7 um 20:15 mit den ersten drei Folgen der neuen Serie THE 100 nach dem SF-Roman von Kass Morgan, die die Verfilmungsrechte, laut der Infos auf der Seite des HEYNE Verlags, bereits verkaufen konnte noch bevor das Buch überhaupt fertig war.

Ich bin immer skeptisch war gehypte Serien und Bücher angeht, doch die Grundidee klingt ansprechend. Sie ist genau mein Ding, um ehrlich zu sein: Postapokalyptisch, Rückkehr auf eine entfremdete Erde, die sich während der Abwesenheit des Menschen in den letzten 97 Jahren dramatisch verändert und in eine lebensgefährliche Falle verwandelt hat.

Hier standen nicht nur ‚Die Tibute von Panem‘ und ‚Der Herr der Fliegen‘ Pate, sondern auch das (leider vergurkte) ‚Afterearth‘ mit Will Smith und die klassische ‚Planet der Affen‘ Reihe, in der Charlton Heston auf eine Erde „zurückkehrt“ auf der die menschliche Zivilisation untergegangen ist und von einer tierischen bzw. äffischen ersetzt wurde.

HEYNE hat es leider nicht geschafft, die deutsche Übersetzung des Buches vor dem Serienstart rauszubringen. Sie erscheint erst in fünf Tagen am 27.07.2015. Ich schätze, dass eine Menge Leute das Buch gern vorher gelesen hätten. Leseprobe: THE 100.

 

 

Interview mit Coverdesigner Colin M. Winkler

Der Coverdesigner der ÖDLAND-Reihe Colin M. Winkler von mommono.de, stellte sich mir zum Interview.

OEDLAND I Wallaper NEU


Ich fand es an der Zeit, den Mann hinter den Bildern kennenzulernen. Immerhin entscheidet man sich für oder gegen ein Buch, dessen Inhalt man nicht kennt, zum größten Teil aufgrund des Covers, bzw. heutzutage aufgrund des Thumbnails im Online-Shop. Das mögen viele bestreiten und behaupten für sie habe selbstredend nur der Text Relevanz, doch die Tendenz zu Ja oder Nein entsteht im Unterbewusstsein. Kurze Klappentexte werden rational verarbeitet, Bilder emotional. Die Arbeit des Designers ist also noch wichtiger als wir ohnehin schon immer angenommen hatten, deshalb jetzt das Interview mit dem Schöpfer der ÖDLAND-Cover Colin M. Winkler:

(Col = Colin M. Winkler, Zac = Christoph Zachariae)

Zac: Hallo Colin. Vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast.

Col: Ich danke Dir, und ich freue mich darauf.

Zac: In Deiner Biografie kann man lesen, dass Du aus einer Familie von Malern und Bildhauern stammst. D.h. nicht nur Deine Eltern waren Künstler, sondern auch Deine Großeltern? Geht die künstlerische Ader noch weiter zurück?

Col: Wie weit meine „Künstlerlinie“ zurückgeht kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber mein Urgroßvater war zur Jahrhundertwende (Anm. d. Int.: 19. auf 20. Jhd.) Hirte von Beruf und schnitzte nebenher kleine Holzfiguren. Mein Großvater ging zur Akademie für Bildende Künste und arbeitete bis ins hohe Alter als Bildhauer. Auch meine Mutter ist Bildhauerin und Malerin. Bei uns wird dieses Talent scheinbar immer an den Erstgeborenen oder die Erstgeborene weitergegeben und so fiel die Liebe zur Kunst mir zu. Meine Familie unterstützt mich seit meiner Kindheit und ließ mir jede Förderung zukommen, die sie sich leisten konnte.

Zac: Wie ist es in der bayrischen Provinz in einer Künstlerfamilie aufzuwachsen? Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht immer einfach war. Hat sich Dein Leben von dem anderer Kinder unterschieden?

Col: Ich denke, es gab nur unerhebliche Unterschiede zur Kindheit anderer. In einem bayerischen Dorf aufzuwachsen ist nicht das Schlechteste, auch wenn ich nie dem Klischee eines „richtigen“ Bayern entsprochen habe.

Als kleiner Junge war ich introvertiert. Aber ich hatte zum Glück immer Freunde an meiner Seite und so war ich nie allein. Meine Begabung und meine überausgeprägte Fantasie machten schon einen kleinen Sonderling aus mir, halfen mir aber oftmals auch das Eis zu brechen.

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Zac: Du hast eine Lehre als Kirchenmaler absolviert. Ich habe sofort gefährlich hohe Gerüste und einen sehr stillen Arbeitsplatz vor Augen. Ist die Arbeit des Kirchenmalers gefährlich und still?

Col: Auch wenn sich die Arbeit als Kirchenmaler oft anders gestaltet, als die meisten sie sich vorstellen, so waren doch Stille und große Höhen meine ständigen Begleiter. Egal ob man über Wochen hinweg Putz von der Wand hackt oder millimeterweise ein altes Gemälde freilegt, in den meisten Fällen war eine 7° kalte und ganztags finstere Kirche der Schauplatz. Was die Höhe angeht, so war mir schon vor Ausbildungsbeginn bewusst, dass sie für mich die größte Herausforderung darstellen würde. Ich hab zwar grundsätzlich kein Problem mit Höhe, aber panische Angst davor, sie fallend zu überbrücken. Es war nicht immer einfach, aber ich bin recht ehrgeizig und die Angst zu besiegen spornte mich zusätzlich an. Ich lasse mir nur ungern sagen, dass ich etwas nicht kann, erst recht nicht von meinen Ängsten.

Zac: Eine Lehre als Kirchenmaler setzt eine Beschäftigung mit klassischer Malerei voraus. Welche Maler hast Du studiert? Hast Du Vorbilder?

Col: Mein Interesse an Kunstgeschichte war das Hauptmotiv für meine Berufswahl. Wenn Du mich aber nach Vorbildern fragst, fällt es mir schwer unter tausend großartigen Künstlern eine Person hervorzuheben. Viele von ihnen haben mich inspiriert, waren indirekt meine Lehrmeister und halfen mir meinen Weg zu finden. Der bekannte Michelangelo Buonarroti zum Beispiel zeigte mir, dass man auch ein Sturkopf sein kann und sich nicht für jeden verbiegen muss. Leonardo brachte mir bei, dass wahre Kunst oft mehr mit Studieren zu tun hat, als mit „inspiriert“ Tuben auf eine Leinwand auszuquetschen.

Zac: Hilft Dir die Beschäftigung mit klassischer Kunst bei der Arbeit als Illustrator und Designer?

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Col: Meine Studien klassischer Ornamente helfen mir moderne Gestaltungen zu entwerfen, denn die Grundlagen sind weitgehend dieselben. Es gibt viele Konzepte, wie der Goldene Schnitt, die bei mir immer wieder Anwendung finden. Auch beim Charakterdesign ist ein umfangreiches kunstgeschichtliches Wissen von Vorteil. Kleidung, Körperschmuck, Frisuren, Farben und Muster, gute Gestaltungen haben ihren geschichtlichen und gesellschaftlichen Ursprung. Ich versuche immer den Zeitgeist der jeweiligen Geschichte in meine Arbeit einzubeziehen. Vor allem in der Fantasy und im Science Fiction erhält man so glaubwürdigere Konzepte.

Zac: Welche aktuellen Künstler findest Du interessant?

Col: Es gibt viele Kollegen, die ich sehr schätze und deren Arbeiten ich bewundere, wie den polnischen Illustrator Marek Okon oder den ConceptArtist Long Ouyang. Viele sehr gute Illustratoren arbeiten heute in der Film- und Spielebranche. Dort wird meiner Meinung nach auch das kreative Potenzial oft am umfangreichsten genutzt.

Zac: Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Cover gestalten willst?

Col: Mein erster Schritt ist immer das Kennenlernen der Geschichte. Ich versuche sie einzuordnen und den genauen Stil der Story zu identifizieren, indem ich sie mit anderen Geschichten aus verschiedenen Genres vergleiche. Außerdem suche ich nach den Themen und dem emotionalen Ton. All diese Punkte beeinflussen die spätere Covergestaltung.

Als Nächstes bespreche ich das Covermotiv mit dem Autor. Die Wahl des Motivs und die Komposition sind die wichtigsten Entscheidungen bei der Gestaltung eines Covers. Das richtige Zielpublikum muss angesprochen werden, das Motiv soll Interesse für die Geschichte wecken, einen kleinen Einblick gewähren und ein Gefühl für die Geschichte vermitteln ohne zu viel zu verraten. Bin ich mir mit dem Autor nach einer Entwurfsphase darüber einig, beginnt der handwerkliche Part.

Zac: Deine Arbeit besitzt einen beeindruckend hohen Grad an Realismus. Wie viel davon ist Handwerk? Wie hoch ist der Anteil an Gabe, die man besitzen muss und nicht erlernen kann?

Col: Talent zu haben ist eine gute Grundvoraussetzung, aber es ist kein „cheat“.

(Anm. d. Int.: Ein „cheat“ ist der zu Testzwecken eingebaute Programmcode eines Computerspiels, der das Spiel erleichtert, indem man z.B. bei Aktivierung unendlich viel Lebensenergie erhält.)

Die wesentlichen Faktoren sind sehr viel Übung, eine gute Beobachtungsgabe, eine Menge Fantasie und natürlich Ausdauer. Mein Talent ermöglicht es mir lediglich, etwas schneller zu lernen. Ohne eine kritische Sicht auf meine Arbeit, um mich stetig zu verbessern, und ohne ständiges Üben, würde ich auch mit Talent nicht weit kommen.

Ebenfalls wichtig ist ein gutes Vorstellungsvermögen, und auch das kann man trainieren. Ich habe mir angewöhnt, alles was ich sehe, als eine Art „geistiges Foto“ abzuspeichern. Es reichen ein paar Sekunden, in denen ich mir einen Gegenstand merke, um ihn anschließend zeichnen zu können. Dadurch habe ich eine umfangreiche Bilderbibliothek in meinem Kopf, auf die ich beim Zeichnen zugreifen kann. Es hilft, sich die Dinge realistisch und plastisch vorzustellen. So kann ich jeden erdachten Gegenstand drehen, und ihn von jeder Seite zeichnen.

Zac: Du gestaltest u.a. Hörspiele, Bücher und eBooks. Hast Du bestimmte Genres, die Du besonders magst? Nach welchen Kriterien wählst Du Aufträge aus?

Col: Ich bin natürlich ein Fan von Fantasy und Science Fiction. Aber ich beschränke mich nicht auf diese Genres. Ich bemühe mich um sehr unterschiedliche Aufträge und freue mich über jeden neuen Stil, den ich ausprobieren kann und schätze Herausforderungen. Ich würde es schade finden, nur noch Raumschiffe zeichnen zu müssen.

Zac: Was hat Dich überzeugt bei ÖDLAND mitzumachen?

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Col: Zum einen liebe ich Endzeit, außerdem fand ich sehr reizvoll, dass ÖDLAND in Deutschland spielt. Dann hat mich natürlich Mega, deine weibliche Heldin, neugierig gemacht. Es gibt nicht sehr viele Protagonistinnen, die sich mit Mut, Stärke und Klugheit behaupten, ohne in kitschige oder sexistische Klischees zu verfallen. Zudem gefiel mir gleich von Beginn an, dass Ödland einen gut auszumachenden eigenen Charakter besitzt, den ich unbedingt in den Illustrationen visuell greifbar machen wollte.

Zac: Ich weiß, dass Du Computerspiele magst. Arbeitest Du auch für die Gamesbranche?

Col: Bisher nur im Kleinen. Ich entwarf ein paar Designs für Spiel-Modifikationen und Community-Projekte. Aber es ist eine Branche, bei der ich mir gut vorstellen kann, eine Zeit in ihr hängen zu bleiben.

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Zac: Im zweiten Ödland-Cover habe ich nach längerer Betrachtung eine subtile Kreisstruktur entdeckt. Arbeitest Du in Deinen Kompositionen häufig mit geometrischen Elementen?

Col: Zwar tauchen auch schon mal zufällige Formen auf, aber ich befasse mich sehr genau mit der Komposition meiner Cover. Dabei kommen geometrische Formen zum Einsatz, mit denen ich das Bild aufteile und den Blick des Betrachters lenke.

Zac: Hast Du schon Ideen für die Cover von ÖDLAND III und ÖDLAND IV?

Col: Gleich bei den Vorbereitungen zum ersten Cover haben wir uns für einen deutlichen Seriencharakter entschieden. So wird auch bei den kommenden Ödlandbüchern, neben dem einheitlichen Schriftlayout, jeweils eine Person im Fokus stehen.

(Anm. d. Int.: Die zunächst geplante Strenge wurde mit dem Cover für ÖDLAND III bereits aufgelockert. Hagen steht zwar noch immer im Mittelpunkt des dritten Covers, doch mit Mega ist eine zweite Figur zu sehen, da im Dritten Buch das Verhältnis der Beiden entscheidend ist.)

Die Cover werden so zu Portraits, die jeweils einem Charakter gewidmet sind, und die dessen Persönlichkeit und Geschichten erzählen. Die Kompositionen werden sich ähneln, aber die Haltung der Figur und den Schauplatz passe ich dem jeweiligen Charakter und der Geschichte an. Jedem Teil werde ich auch eine eigene Farbigkeit verleihen. Um dabei nicht den Seriencharakter zu stören, werden sich die ÖDLAND-Cover aber weiterhin in einem reduzierten Farbspektrum bewegen und düster und kontrastreich bleiben.

Zac: Vielen Dank für das Interview.

Col: Sehr gern.

Dystopisches Kostümdesign der Aaron Sims Company

Sehr schickes, dystopisches Kostümdesign der Aaron Sims Company, die praktisch in allen aktuellen Hollywood-Blockbustern mitgemischt hat. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt und soll hier nicht beurteilt werden. Dieses Kostüm ist auf jeden Fall atemberaubend.

Veröffentlichung Taschenbuch ÖDLAND Erstes Buch Der Keller

LUCID DREAMS und Christoph Zachariae sind glücklich über die Veröffentlichung der Taschenbuchausgabe des ersten Bandes der Endzeit-Thriller-Reihe ÖDLAND.

Ab sofort kann das ÖDLAND auch im Taschenbuchformat erkundet werden. Wir wünschen neuen und alten Reisenden spannende Unterhaltung.

Für ÖDLAND-Veteranen gibt es neben der verbesserten Neuauflage einen weiteren Grund sich das Taschenbuch einmal aus der Nähe anzusehen: Dem Betrachter wird sich auf den nebeneinandergestellten Buchrücken aller vier ÖDLAND-Taschenbücher das Portrait der Heldin Mega offenbaren. (Illustration: Colin M. Winkler, mommono.de.)